Ar-Rum 30:46
Der Vers nennt den Wind zusammen mit vier seiner Funktionen: (1) mubashshirāt — Vorboten (der Wind vor der Wolke als Bote des Regens); (2) das Schmecken der Barmherzigkeit — Regen und Kühle; (3) das Fahren der Schiffe — Transport; (4) das Suchen der Gabe — Handel und Erwerb.
وَمِنْ ءَايَـٰتِهِۦٓ أَن يُرْسِلَ ٱلرِّيَاحَ مُبَشِّرَٰتٍ وَلِيُذِيقَكُم مِّن رَّحْمَتِهِۦ وَلِتَجْرِىَ ٱلْفُلْكُ بِأَمْرِهِۦ وَلِتَبْتَغُوا۟ مِن فَضْلِهِۦ وَلَعَلَّكُمْ تَشْكُرُونَ
Und es gehört zu Seinen Zeichen, daß Er die Winde als Verkünder froher Botschaft (voraus)sendet, und damit Er euch etwas von Seiner Barmherzigkeit kosten läßt und damit die Schiffe auf Seinen Befehl fahren und damit ihr nach etwas von Seiner Huld trachtet, und auf daß ihr dankbar sein möget
Ar-Rum 30:46 · Übersetzung: Bubenheim & Elyas
Bild
Ein einziges Phänomen (eine Luftströmung) berührt vier verschiedene Bereiche des Lebens. Der Vers hält den Wind nicht als abstrakte Kraft fest, sondern als ein Beziehungsgeflecht, in dem jeder einzelne eine konkrete Wohltat hervorbringt.
Beobachtung
In der Meteorologie ist der Wind eine Luftströmung, die aus Druckunterschieden in der Atmosphäre entsteht. Ein Tiefdruckzentrum — warme, feuchte, aufsteigende Luft — bringt zusammen mit dem Wind den Regen; das Bild der "mubashshirāt" (Vorboten) im Vers fügt sich dieser Reihenfolge (zuerst Wind, dann Regen) ein. Im Seetransport wirkt der Wind durch zwei verschiedene Mechanismen: bei historischen rahgetakelten Schiffen entstand der Hauptschub aus dem direkten Druck des Windes auf das Segel — sobald der Wind von hinten oder querab wehte, fing das Segel die Luft wie eine Schaufel und schob das Schiff vorwärts. Bei Lateinersegeln und modernen Segeln erzeugt der Druckunterschied zwischen den beiden Seiten des Segels eine zusätzliche Auftriebskomponente; die Schifffahrt der Offenbarungszeit beruhte weitgehend auf dem ersten Modell — dem direkten Schub. Die heutigen motorisierten Schiffe sind nicht mehr in diesem Maß vom Wind abhängig, doch ein großer Teil der Meeresströmungen wird nach wie vor von Oberflächenwinden getrieben. Der Vers entstand in einer Zeit, die den unmittelbaren Zusammenhang von Wind und Schiff vor Augen hatte; dieser Zusammenhang bewahrt die aus jener Zeit zu uns reichende Sprache als eine konkrete Beobachtung.
Exegese
Die klassischen Exegeten richten den Blick auf die Reihe der lām (Finalzeichen) im Vers: al-Rāzī sagt, die vier verschiedenen lāms (li-yudhīqakum, li-tajriya-l-fulk, li-tabtaghū, laʿallakum tashkurūn) zählen die vielfache Absicht des Windes auf — ein einziges Naturgeschehen bringt viele Wohltaten als Folge hervor. Elmalılı Hamdi Yazır merkt an, dass "mubashshirāt" nicht nur die Frohbotschaft des Regens umfasst, sondern auch die der Versorgung und der Heilung. Der Vers schließt mit "laʿallakum tashkurūn" (auf dass ihr Dank sagt) — der Endpunkt der Naturbeobachtung ist der Dank; dies ist die Brücke zwischen dem Sehen eines Ereignisses und dem Sehen desselben als einer Wohltat.
Quellen
Tafsīr: al-Rāzī · Mafātīḥ al-Ghayb; Elmalılı Hamdi Yazır · Hak Dini Kur'an Dili. Wissenschaft: Meteorologie — Tiefdrucksysteme und das Vorausgehen des Regens; Schiffbau — Aerodynamik des Segelschiffs; Ozeanographie — Standardliteratur zum Verhältnis von Wind und Meeresströmung.