An-Nahl 16:15
Der Vers versammelt drei Elemente im selben Satz: rawāsī (feste Berge), anhār (Flüsse), subul (Wege).
وَأَلْقَىٰ فِى ٱلْأَرْضِ رَوَٰسِىَ أَن تَمِيدَ بِكُمْ وَأَنْهَـٰرًا وَسُبُلًا لَّعَلَّكُمْ تَهْتَدُونَ
Und Er hat auf der Erde festgegründete Berge gesetzt, daß sie nicht mit euch wanke, und Flüsse und Wege (geschaffen) - auf daß ihr rechtgeleitet werden möget
An-Nahl 16:15 · Übersetzung: Bubenheim & Elyas
Bild
Drei verschiedene Schichten: Stabilität, Strömung, Durchgang. Am Ende aller ein einziges Ziel: "laʿallakum tahtadūn" — damit ihr den Weg findet.
Beobachtung
In der Geographie bilden die drei eine untrennbare Kette: Bergketten konzentrieren die Niederschläge, schmelzender Schnee und Regen speisen die Flusseinzugsgebiete, und die Flüsse graben im Lauf der Zeit Täler und natürliche Durchgänge. Die weltweite Siedlungskarte ist weitgehend am Schnittpunkt dieser drei Elemente angelegt — Städte entstehen meist am Ufer eines Flusses, am Fuß eines Berges, an der Kreuzung eines Weges. Der Vers beschreibt nicht drei getrennte Phänomene, sondern eine Landschaft, in der sie ineinandergreifen.
Exegese
Die klassischen Exegeten legen besonderes Gewicht auf den Schluss des Verses: "tahtadūn" trägt sowohl die äußere Bedeutung des Wegfindens als auch die innere der Rechtleitung. Al-Zamakhsharī (al-Kashshāf) merkt an, dass der Vers aus dem Übereinanderliegen beider Lesarten schöpft: die Wege der äußeren Welt können eine Tür zum Verstehen des inneren Weges sein. Ibn Kathīr (Tafsīr al-Qurʾān al-ʿAẓīm) richtet den Blick auf das Verb "alqā" ("werfen"), das für die Berge gebraucht wird — wie für ein Element, das später zur Erde hinzugefügt und in seine Lage gebracht wurde.
Quellen
Tafsīr: al-Zamakhsharī · al-Kashshāf; Ibn Kathīr · Tafsīr al-Qurʾān al-ʿAẓīm. Wissenschaft: Hydrologie — das Verhältnis von Berg, Fluss und Einzugsgebiet; Literatur zur historischen Geographie und zu Siedlungsmustern.