Al-Mu'minun 23:80
Ein kurzer Vers, der vier kosmische und menschliche Ereignisse nebeneinander stellt: Leben geben, Tod geben, Nacht, Tag.
وَهُوَ ٱلَّذِى يُحْىِۦ وَيُمِيتُ وَلَهُ ٱخْتِلَـٰفُ ٱلَّيْلِ وَٱلنَّهَارِ ۚ أَفَلَا تَعْقِلُونَ
Und Er ist es, Der lebendig macht und sterben läßt; und auf Ihn geht der Unterschied von Nacht und Tag zurück. Begreift ihr denn nicht
Al-Mu'minun 23:80 · Übersetzung: Bubenheim & Elyas
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Dann eine einzige Schlussfrage: "a-fa-lā taʿqilūn" — wollt ihr nicht vernünftig denken? In seiner Doppelpaarung stellt der Vers das menschliche Dasein und den Rhythmus des Kosmos unter eine Frage: der Wechsel zwischen Geburt und Tod und der Wechsel zwischen Tag und Nacht werden Seite an Seite genannt. Das Wort "ikhtilāf" — "einander folgen, einander an die Stelle treten" — passt sowohl zu biologischen Generationen als auch zum astronomischen Rhythmus.
Beobachtung
Der biologische Lebenszyklus — Geburt, Wachstum, Tod und die Rückumwandlung organischer Materie in Mineralien — ist eines der Grundkonzepte der Ökosystemökologie; die Überreste eines Organismus werden durch zerlegende Mikroorganismen zum Material für neue Organismen. Der Tag-Nacht-Zyklus geht auf die Rotation der Erde um ihre eigene Achse zurück und reguliert die zirkadiane (≈ 24-stündige) biologische innere Uhr der Lebewesen.
Exegese
Al-Rāzī untersucht das Wort "ikhtilāf" genau — es meint, dass das, was an die Stelle eines Dinges tritt, von dem Ding verschieden ist; dem Tag folgt nicht der Tag, sondern die Nacht. Dieselbe Logik gilt auch für die Generationen der Menschen. Der Vers bietet eine Prüfung der Betrachtung: ein Geist, der zugleich auf die eigene Lebensspanne und auf den Himmel blicken kann, findet in beiden dieselbe Signatur.
Quellen
Tafsīr: al-Rāzī · Mafātīḥ al-Ghayb.