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An-Naml 27:88

Der Vers eröffnet mit einer Korrektur der Wahrnehmung: "taḥsabuhā jāmidatan" — du meinst, sie seien erstarrt / fest.

وَتَرَى ٱلْجِبَالَ تَحْسَبُهَا جَامِدَةً وَهِىَ تَمُرُّ مَرَّ ٱلسَّحَابِ ۚ صُنْعَ ٱللَّهِ ٱلَّذِىٓ أَتْقَنَ كُلَّ شَىْءٍ ۚ إِنَّهُۥ خَبِيرٌۢ بِمَا تَفْعَلُونَ

Und du siehst die Berge, von denen du meinst, sie seien unbeweglich, während sie wie Wolken vorbeiziehen. - (Es ist) das Werk Allahs, Der alles sehr geschickt gemacht hat. Gewiß, Er ist Kundig dessen, was ihr tut

An-Naml 27:88 · Übersetzung: Bubenheim & Elyas

Bild

Die vom Auge erfasste Stille ist aus einem Blickwinkel wahr — sie ist aber nicht die einzige Perspektive. Der Vers fügt sogleich hinzu: "wa hiya tamurru marra-s-saḥāb" — sie aber ziehen vorüber, wie die Wolken vorüberziehen. Die Wortwahl ist sorgfältig: "jāmida" wird nicht für Bewegungslosigkeit, sondern für "scheinbare Stille" gebraucht. Der Vers malt eine Wirklichkeit, die an die Skala des Blicks gebunden ist.

Beobachtung

Der primäre Kontext des Verses ist in der klassischen tafsīr eschatologisch — er wird als das Auflösen / Wandern der Berge am Tag der Auferweckung gelesen. Die moderne Geowissenschaft ruft auf einer anderen Skala zu einer ähnlichen Beobachtung: Kontinentalmassen bewegen sich um wenige Zentimeter pro Jahr; Gebirgszüge erheben sich, werden abgetragen und versetzt im Lauf von Millionen Jahren. Diese beiden Blicke — die kosmische Verwandlung am Ende und die lange Zeitachse der Geologie — verlangen nicht, dass der Vers als ein Eins-zu-eins-wissenschaftlicher Satz gelesen wird; doch die Sprache des Verses steht mit dem Prinzip "was du siehst, ist nicht so fest, wie es scheint" neben beiden Fenstern.

Exegese

Die klassischen Exegeten lesen den Vers als das Auflösen der Berge am Tag der Auferweckung — al-Ṭabarī, Ibn Kathīr und al-Qurṭubī kommen darin überein. Al-Zamakhsharī (al-Kashshāf) merkt an, dass der Vergleich "tamurru marra-s-saḥāb" (sie ziehen vorüber, wie die Wolken vorüberziehen) auffällig ist: das Vorüberziehen der Wolke ist zugleich sanft und unbemerkt. Der Vers sagt, dass das, was als fest gilt, tatsächlich in einem Übergang ist — ein Bild, das sowohl mit der Szene der Auferweckung als auch mit der Wahrnehmungstäuschung dieser Welt übereinstimmt.

Quellen

Tafsīr: al-Ṭabarī · Jāmiʿ al-Bayān; Ibn Kathīr · Tafsīr al-Qurʾān al-ʿAẓīm; al-Zamakhsharī · al-Kashshāf.

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