Ali 'Imran 3:190
Der Vers bestimmt eine Beschreibung durch eine Reihe von Handlungen.
إِنَّ فِى خَلْقِ ٱلسَّمَـٰوَٰتِ وَٱلْأَرْضِ وَٱخْتِلَـٰفِ ٱلَّيْلِ وَٱلنَّهَارِ لَـَٔايَـٰتٍ لِّأُو۟لِى ٱلْأَلْبَـٰبِ
In der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Unterschied von Nacht und Tag liegen wahrlich Zeichen für diejenigen, die Verstand besitzen
Ali 'Imran 3:190 · Übersetzung: Bubenheim & Elyas
Bild
Die Beschreibung: ulū-l-albāb — die Inhaber des "Kerns / inneren Kerns" (lubb), also die Inhaber der Vernunft. Die Reihe der Handlungen umfasst drei Körperhaltungen: qiyām (stehend), quʿūd (sitzend), junūb (auf der Seite liegend). Diese drei Zustände decken nahezu jede Haltung ab, die ein Mensch im Lauf von Tag und Nacht einnimmt. Der Vers sagt, dass Gedenken und Nachdenken weder an eine bestimmte Gebetszeit noch an einen bestimmten Ort gebunden sind — sie sind eine fortwährende Gewohnheit, die in keinem Zustand des Tages in den Hintergrund tritt. Die Vernunft ist kein besonderer Augenblick; sie ist ein Zustand, der mit der Haltung des Lebens selbst verflochten ist.
Beobachtung
Der Wechsel von Nacht und Tag geht auf die Rotation der Erde um ihre eigene Achse zurück; eine vollständige Umdrehung dauert etwa 24 Stunden. Der Tag-Nacht-Zyklus reguliert den zirkadianen Rhythmus (biologische innere Uhr) der Lebewesen; dieser Rhythmus umfasst hormonelle, metabolische und verhaltensbedingte Zyklen, die auf den Hell-Dunkel-Wechsel abgestimmt sind.
Exegese
Die klassischen Exegeten merken an, dass "lubb" den Kern innerhalb der Schale einer Frucht meint, so dass ulū-l-albāb diejenigen sind, "die über das äußere Erscheinen hinaus auf den Kern blicken können": al-Rāzī sagt, es sei bemerkenswert, dass ʿaql und tafakkur in demselben Vers nebeneinander stehen — die Vernunft (das geistige Erfassen) und das tafakkur (das Hineintragen der Bedeutung in den Kern) ergänzen einander. Al-Qurṭubī merkt an, dass die drei Körperhaltungen einen Ausdruck umfassender Bedeutung bilden; der Vers zeigt, dass Gottesdienst und Nachdenken in jedem Zustand möglich sind, in dem der Fluss des Lebens nicht abreißt. Elmalılı sagt, der Abschnitt "fī khalqi-s-samāwāti wa-l-arḍ" zeige, dass die Betrachtung von Himmel und Erde keine besondere Gebetszeit ist, sondern eine Arbeit, die mit der Kontinuität des Gedenkens verflochten bleibt.
Quellen
Tafsīr: al-Rāzī · Mafātīḥ al-Ghayb; al-Qurṭubī · al-Jāmiʿ li-Aḥkām al-Qurʾān; Elmalılı Hamdi Yazır · Hak Dini Kur'an Dili.